Dispokredit

Die ursprüngliche Funktion des Dispokredites bestand darin, kurzfristige Liquiditätsengpässe des Kunden zu überbrücken. Mittlerweile ist der Dispositionskredit in der Praxis allerdings oftmals vom kurzfristigen zum mittel- und langfristigen Kredit geworden, denn nicht wenige Kunden nehmen den Dispokredit über viele Jahre hinweg

durchgehend in Anspruch. Grundsätzlich kann jeder Volljährige einen Dispositionskredit erhalten, der über ein regelmäßiges Einkommen verfügt. Ferner prüfen die Banken in Deutschland vor Einräumung des Dispokredites, ob keine negativen Informationen seitens der Schufa vorliegen.

Für die Höhe des Dispositionskredites gibt es keine festen Vorgabe. In der Praxis hat sich dennoch in den meisten Fällen durchgesetzt, dass die Bank das dreifache Monatsgehalt als Maximum für die Höhe des Dispositionskredites ansetzt. Individuelle Vereinbarungen und Ausweitungen der Kreditsumme sind natürlich möglich. Neben dem Gehaltsnachweis fordern die Banken keine weiteren Sicherheiten für die Vergabe des Dispokredites. Der Kunde kann selber entscheiden, in welcher Höhe er den zur Verfügung gestellten Rahmen in Form der genehmigten Kontoüberziehung nutzen möchte. Es bestehen auch keine festen Rückzahlungstermine, wie es zum Beispiel beim Ratenkredit der Fall ist. Der Kunde kann den Dispokredit also theoretisch lebenslang in Anspruch nehmen, ohne eine Tilgung leisten zu müssen. Ein Nachteil für den Kunden besteht allerdings darin, dass die Bank den Dispositionskredit jederzeit ohne Angabe von Gründen kündigen kann.

Von den zu zahlenden Zinsen her handelt es sich beim Dispokredit um einen relativ teuren Kredit. Üblicherweise liegt der Zinssatz zwischen 11 und 15 Prozent pro Jahr. Die Zinsen müssen allerdings im Unterschied zum Ratenkredit nur auf den Betrag gezahlt werden, den das Konto des Kunden tatsächlich im Soll steht. Steht dem Kunden also zum Beispiel ein Dispokredit in Höhe von 4.000 Euro zur Verfügung, befindet sich das Girokonto aber nur mit 1.500 Euro durchgehend im Soll, so wird tagegenau nur vom entsprechendem Sollbetrag die Zinsbelastung berechnet.

Der auch als Kreditlinie bezeichnete Dispokredit hat für den Kunden den Vorteil der großen Flexibilität. Ferner kann die Einräumung meistens innerhalb von wenigen Minuten erfolgen, sodass der Dispokredit oftmals die erste Wahl ist, wenn man sehr schnell Kapital benötigt. Ist allerdings vorher zu sehen, dass man den eingeräumten Dispositionskredit über einen langen Zeitraum in hohem Maße in Anspruch nehmen muss, sollte man aus Kostengründen überlegen, den Dispokredit in einen zinsgünstigeren Ratenkredit umzuschulden. Bei der Einräumung des Dispokredites unterschreibt man als Kunde übrigens keinen Darlehensertrag, sondern das Bestehen wird durch den Aufdruck auf dem Kontoauszug bestätigt. Viele Banken räumen den Kunden mit der Eröffnung des Girokontos inzwischen sogar automatisch einen Dispositionskredit in bestimmter Höhe ein.